

Vor nunmehr zwei Jahren hat der Deutsche Ausschuss für Stahlbeton die sog. WU-Richtlinie[1] herausgebracht. In der Fach-Öffentlichkeit kursiert ein Entwurfspapier mit Erläuterungen und Hinweisen zur Präzisierung der WU-Richtlinie, das in absehbarer Zeit offiziell veröffentlicht werden soll [2]. Von Bedeutung für die aktuelle Rechtslage ist ferner das Recht der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Im Zuge der europäischen Harmonisierung wurde das AGB-Gesetz per Ende 2OO1 aufgehoben: stattdessen regeln die neuen, verbraucherfreundlicher abgefassten §§ 305 bis 310 BGB das AGB- Recht. Seitdem spielt das Thema „Mangel ohne Schaden" eine Rolle [3,4,8]. Die Gerichte billigen den Bauherren durchweg zu, dass der Planer ihnen volle Lebensqualität auch im Keller schuldet, sprich Feuchtigkeit nicht hingenommen werden muss.
Laut WU-Richtlinie sind bei hochwertiger Nutzung Feuchtestellen auf der Bauteiloberfläche unzulässig. Die Erläuterung zur Richtlinie [2] empfiehlt die Anwendung des Entwurfsgrundsatzes „Rissvermeidung" anstelle der „unsicheren Rissbreitenbeschränkung durch Bewehrung". Zusätzlich sind raumklimatische Maßnahmen z.B. wegen der durch Austrocknen entstehenden Feuchteabgabe
vorzusehen. Solche Maßnahmen können sein: Lüften mit trockener Luft, ggf. heizen bzw. verhindern, dass feuchtwarme Luft in kühle Kellerräume austritt [9]. Auf jeden Fall ist für eine ausreichende Wärmedämmung zu sorgen, so dass die Bauteiloberfläche nicht unzulässig abkühlt und die Gefahr von Schimmelpilzbildung entsteht.
Diese Forderung ist natürlich auch bei anderen Massivbauteilen einzuhalten. Bei Mauerwerk ist zusätzlich von außen eine Abdichtungsschicht (Putz) als Dampfbremse aufzubringen.

Fazit: Für Wohnkeller reicht die Weiße Wanne als reine Betonkonstruktion nicht aus. da zwei Merkmale fehlen können, und zwar die Nachweise der Mangelfreiheit hinsichtlich Rissevermeidung und Feuchtetransport. Ein empfehlenswerter Ausweg aus diesem Dilemma besteht darin, mit kerngedämmten Elementwänden eine sicher dichte Variante der Weißen Wanne herzustellen.

Bei Außenwänden aus kerngedämmten Elementwand-Fertigteilen sind die Dämmplatten bereits als sog. Thermowand im Werk installiert [6] (Abb. 2). Das Fertigteil wird auf der Baustelle mit Ortbeton ergänzt und kann trennrissfrei aushärten. Die Ortbeton-Bodenplatte erhält einen schwimmenden Estrich oder eine druckfeste Dämmung aus Foamglas. Für die Rissvermeidung sind besondere Maßnahmen zu treffen. Die konstruktiven Fugen in der Bodenplatte und in der Außenwand werden mit dem Abdichtungssystem „Pentaflex" gesichert; dabei handelt es sich um Stahlbleche, die dank ihrer Spezialbeschichtung einen innigen Verbund mit Ortbeton eingehen (Abb. 3). In Bodenplatte und
Wand kann mit speziellen Faserbetonen die Gebrauchstauglichkeit verbessert werden.
Laut Gutachten des Forschungsinstituts für Wärmeschutz e.V., München [5] erbringt diese Bauweise auch in den Details - wie z.B. Anschluss Bodenplatte an Wand - deutlich bessere Werte als in der Wärmeschutz-Norm gefordert.
Aufgrund des günstigen Trennrissverhaltens der Doppelwand treten bei üblichen Abmessungen. d.h. Wanddicken von 24 cm, Wandhöhen bis 4 m und Wandlängen bis 10 m. keinerlei Risse auf. Denn: Die Fertigplatten als innere und äußere Schale schützen den Kernbeton insbesondere gegen die Gefahr
der Trennrissbildung beim Abfließen der Hydratationswärme. Die Ausbildung der Arbeitsfugen mit dem genannten Dichtungssystem mit integrierter Sollrissschiene bietet deutliche Verarbeitungsvorteile im Vergleich zur herkömmlichen Fugenausbildung sowie eine nachweislich bessere Dichtigkeit.
Elementwände entsprechen daher bereits systembedingt dem Entwurfsgrundsatz „Rissvermeidung".
Damit erfüilt diese Betonkonstruktion als Elementbauweise eine wesentliche Anforderung für hochwertige Nutzungen von WU-Konstruktionen. Für Doppelwände ist dieser Nachweis mit einer typengeprüften Statik erbracht und somit bauaufsichtlich geregelt.
Diese Anwendung ist seit mehr als zehn Jahren bewährt und wurde 1999 auf die Thermowand normativ übertragen.


Bei der Bodenplatte ist der Nachweis der Trennrissfreiheit z.B. durch betontechnologische Maßnahmen zu führen[7,10]. Wesentlich sind dabei auch Betonrezeptur, Nachbehandlung und Fugenanordnung. Empfehlenswert ist die Verwendung von Kunststofffasern. Denn: Im Anfangsstadium der Erhärtung des
Betons sind feinverteilte Kunststofffasern dazu geeignet, eine frühzeitige Rissbildung im Beton zu verhindern[7,11]. Dem Beton wird eine Vielzahl von EinzeIfasern untergemischt. Die Fasermenge in einem Kubikmeter Beton würde, hintereinander gelegt, eine Gesamtlänge von vielen Kilometern ergeben. Die hohe Faseranzahl und der geringe Faserquerschnitt bewirken aufgrund der großen benetzenden Oberfläche ein verbessertes Wasserrückhaltevermögen des Betons und führen zu einer verlangsamten Austrocknung mit entsprechend verringerten Schwindbeanspruchungen. Bereits an der Betonoberfläche werden die Risse am Ort ihres Entstehens wirkungsvoll behindert.

Konventionelle schwarze und weiße Wannen mit Wärmedämmung verhalten sich hinsichtlich ihres bauphysikalischen Feuchtestroms qualitativ gleichwertig. Entscheidend ist der unterschiedliche Eintrag an Baufeuchte. Die an Wandoberflächen vielfach beobachtbare Feuchtigkeit ist in den meisten Fällen auf die anfangs höhere Eigenfeuchte der Baustoffe zurückzuführen. Betonbauteile trocknen aufgrund ihres dichten Gefüges im Gegensatz zu Ziegelwänden nicht über den gesamten Querschnitt, sondern nur im oberflächennahen Bereich aus. Die Austrocknung von Ortbetonbauteilen dauert bis zum Erreichen der Ausgleichsfeuchte mehrere Monate bis Jahre. Ab einer bestimmten Mindestdicke findet kein Feuchtetransport mehr durch Betonwände statt; lediglich in den Betonrandzonen ändert sich die Feuchte. Doppelwände verhalten sich hierbei günstiger als Ortbetonwände, da die Fertigteile aufgrund
ihrer geringen Dicke schon vor dem Einbau weitestgehend ausgetrocknet sind. Auch Mauerwerkziegel weisen anfangs einen erhöhten Feuchtegehalt auf, da sie Wasser (Niederschläge, Mörtelwasser etc.) kapillar aufsaugen. Das Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V., München, und andere Gutachter haben die Bauweise der kerngedämmten Elementwände SysproPart-thermo einer theoretischen Untersuchung mit begleitenden Versuchen unterzogen. Dabei wurde das bauphysikalische Verhalten der so genannten Thermowand mit dem konventioneller Ortbetonwände und Ziegelwände - beide mit außen liegender Wärmedämmung und Putz - verglichen. Es zeigte sich, dass die Thermowand die höchste Sicherheit gegen Durchfeuchtung aufweist. Die Tabelle zeigt die raumseitige Feuchtrate in
g/m² und d als temporären Maximalwert bei ungünstigen Klimabedingungen; Wanddicke 30 cm, Last
fall Bodenfeuchte.
Bei Langzeitbetrachtungen über mehrere Jahre hinweg verringern sich bei den drei beschriebenen Wandsystemen die Feuchtemengen infolge Austrocknung, was dazu führt, dass die Sicherheit gegenüber Durchfeuchtung zunimmt. Für Ortbeton-Bodenplatten können die Werte aus der Tabelle (Ortbetonwand) näherungsweise angesetzt werden. Für die Gesamtbilanz der Feuchteverhältnisse im Wohnkeller sind die Einflusse aus Nutzung und Lüftung zu erfassen. Verglichen mit der Feuchtemenge aus dem genannten Feuchtetransport führt die Nutzung selbst zu einer größeren Feuchtebelastung, die bei zwei Personen (normale Tätigkeit) bei 20 g/(m2 d) liegen kann (Abb. 4).
Die Menge der durch Verdunstung im Wesentlichen anführbaren Feuchte richtet sich nach der Anzahl der Luftwechsel. Selbst unter ungünstigen Randbedingungen (Sommer) kann durch Lüften mind. 50 g/(m2 d) Feuchte abgeführt werden. Gegenüber der Feuchtemenge, die aus den Kellerwänden infolge Diffusion und Austrocknung auftritt, ist die infolge Lüftung mögliche Verdunstungsmenge um ein Vielfaches größer - erwartungsgemäß unabhängig vom Wandaufbau - denn Wände „atmen" nicht. Dies bedeutet jedoch auch, dass die Kelleraußenwände nicht durch Schränke o. Ä. zugestellt sein dürfen, da sich ansonsten Oberflächenkondensat und dadurch Schimmelpilze bilden können.
Die vorstehenden Ausführungen beschreiben einen sicheren Vorschlag, wie Betonkonstruktionen derart ergänzt werden können, dass die Nutzung für hochwertige Wohnkeller nach WU-Richtlinie zulässig wird. Die Ergänzungen betreffen die Verwendung von gedämmten Bauteilen als trennrissfreie Konstruktion, bestehend aus kerngedämmter Elementwand und Bodenplatte mit schwimmendem Estrich. Eine wichtige Grundlage ist die Anwendung von Faserbeton. Die Grundlagen dieser Bauweise sind im neuen Handbuch der Syspro-Gruppe beschrieben [6].